Portrait von Landrat Hagen Jobi
![]() Landrat Hagen Jobi
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Interview mit Landrat Hagen Jobi
im EILDIENST des Landkreistages Nordrhein-Westfalen Nr. 6/Juni 2005 |
EILDIENST: Viele kleine Jungs träumen davon Feuerwehrmann, Fußballprofi oder Astronaut zu werden. Wie ist es mit Ihnen Herr Jobi, wollten Sie immer schon Politiker werden?
Hagen Jobi: Ich habe nie davon geträumt, Politiker zu werden. Das hat sich Schritt für Schritt über die Entwicklung im eigenen Dorf, in der Stadt Wiehl und im Oberbergischen Kreis ergeben.
EILDIENST: Und was war Ihr Traumberuf?
Hagen Jobi: Mein Traum war immer, mit Menschen umzugehen.
EILDIENST: Gerhard Schröder hat lange bevor er Bundeskanzler wurde an den Toren des Kanzleramtes gerüttelt. Seit wann wollten Sie als Chef ins Kreishaus einziehen?
Hagen Jobi: Eigentlich wollte ich das nie. Ich war ja Landtagsabgeordneter und wurde erst von verschiedenen Parteifreunden zu dem Thema hingeführt. Die waren - für mich überraschend - der Meinung, ich wäre für die Aufgabe geeignet.
EILDIENST: Warum überraschend?
Hagen Jobi: Weil ich schon Bedenken vor dem Thema hatte, kein Verwaltungsfachmann zu sein. Ich habe mich dann aber zur Kandidatur entschieden.
EILDIENST: Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie erzählt haben, dass Sie sich um den Landrats-Posten bewerben?
Hagen Jobi: Unsere drei Kinder sind aus dem Haus. Meine Frau hat zurückhaltend reagiert. Sie hatte Sorge, es könnte zu viel für mich werden. Die hat wohl schon damals geahnt, was passiert.
EILDIENST: Sie nicht?
Hagen Jobi: Nö, ich habe mal gesagt: „Man soll nicht alles hinterfragen, sonst macht man es eventuell nicht.“
EILDIENST: Vater, Landrat, Chef der Kreispolizeibehörde, Vorsitzender des DRK, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, des Kreisorchesters, der Züchterzentrale und und und. Wann kommt Hagen Jobi?
Hagen Jobi: Als Landrat wird es schwerer, den Privatmenschen zu erhalten. Dann muss man mal ausbrechen. Meine Frau und ich machen gerne spontane Kurzreisen in europäische Metropolen oder Regionen wie z.B. die Toskana. Mir macht es viel Freude, etwas interessantes aufzunehmen und durch Geschäfte zu streifen.
EILDIENST: Von der Entspannung zur Anspannung: Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Landrat des Oberbergischen Kreises aus?
Hagen Jobi: Ich habe zwar meistens langfristige Termine, aber trotzdem bringt jeder Tag etwas Neues. Das ist manchmal Chance aber manchmal auch schwierig. Ich kann also einen typischen Arbeitstag gar nicht beschreiben. Ich fange in der Regel gegen 8.30 Uhr an, und je nach Terminen am Abend endet der Tag um 21 oder 22 Uhr.
Als Wiehler Vize-Bürgermeister, als Vize-Landrat und als Landtagsabgeordneter hatte ich viele repräsentative Termine. Es ist jetzt schon etwas besonderes, aus der Landrats-Position heraus Akzente anregen zu können. Ich bedaure allerdings, dass ich nicht mehr nah genug am Volk bin. Für z.B. Karnevalssitzungen, Vereinsjubiläen und Schützenfeste – die alle wichtig sind – habe ich nicht mehr die Zeit.
EILDIENST: Sind Sie in einem Verein aktiv?
Hagen Jobi: Mein Verein ist der Oberbergische Kreis.
EILDIENST: Was unterscheidet den Landrat Hagen Jobi von seinen Vorgängern?
Hagen Jobi: Keine Ahnung. Hans-Leo Kausemann hat es so gemacht, Hagen Jobi macht es anders. Meine Vision ist, den Zusammenhalt unter den 13 Rathäusern und dem Kreishaus noch vertrauensvoller und unkomplizierter zu gestalten. Ich möchte erreichen, dass die Bürgermeister zum Telefon greifen und mich anrufen, wenn sie Gesprächsbedarf zu einem bestimmen Problem sehen, statt erst Briefe zu schreiben, geschweige denn über die Medien zu gehen. Das haben die Bürgermeister bereits aufgenommen. Wir müssen über Zielvorgaben, die wir gemeinsam erarbeiten, eine gemeinsame Basis finden. Diese muss unser Fundament sein für das Auftreten gegenüber wichtigen Partnern in der Region.
EILDIENST: Der Zusammenhalt von Kommunen und Kreis ist eins Ihrer Ziele. Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit sonst noch vorgenommen?
Hagen Jobi: Eine mittelstandsfreundliche Verwaltung. Wir müssen alles tun im Rahmen der Gesetzgebung, der hiesigen Wirtschaft dabei zu helfen, Arbeitsplätze zu sichern und vor allen Dingen neue Stellen zu schaffen. Das ist das Mega-Thema. Wenn wir am Ende meiner Amtsperiode das Prädikat „mittelstandsfreundliche Verwaltung“ haben, dann ist das schon was. Ein weiteres Ziel ist ist die beiden Punkte „Familie und Beruf“ optimaler zusammenzubringen.
EILDIENST: Sind da andere Landkreise Vorbild?
Hagen Jobi: Ja. Was andere schon erfunden haben, brauchen wir nicht selbst erfinden. Schon aus meiner Abgeordneten-Tätigkeit haben sich hier Verbindungen ergeben, die ich jetzt nutzen werde.
EILDIENST: Weitere Ziele?
Hagen Jobi: Ja, wir müssen als kommunale Familie im Oberbergischen Kreis europafähiger werden. Wir müssen uns gute Verbindungen in Brüssel schaffen. Wir brauchen ganz selbstverständlich auch den heißen Draht nach Düsseldorf.
EILDIENST: Weit mehr als die ersten 100 Tage sind Sie nun in Amt und Würden. Welche Entscheidungen sind Ihnen schwer gefallen?
Hagen Jobi: Hauptsächlich Entscheidungen in der Personalführung. Es ist immer schwer, wenn man jemandem den auslaufenden Arbeitsvertrag nicht verlängert. Belastend finde ich auch, dass wir nicht alle unserer Auszubildenden übernehmen können. Wir versuchen dann allerdings, sie woanders unterzubringen.
EILDIENST: s geht Ihnen ja ähnlich wie George W. Bush. Auch er hat nur mit knapp über 50 Prozent aller Wählerstimmen seine Wahl gewonnen. Sie haben 52,8 Prozent aller Oberberger im Wahlkampf von sich überzeugt. Wie wollen Sie den Rest für sich gewinnen?
Hagen Jobi: Indem ich in der Lage bin, mit jedem über jedes Thema zu reden. Und hoffentlich immer in der Lage bin, Ideen und Vorhaben, die an mich herangetragen werden, mindestens kreativ aufzunehmen - egal von welcher politischen Couleur sie kommen. Was für Oberberg gut ist, das müssen wir stemmen. Ich will über Parteigrenzen hinweg für die Menschen da sein. Wenn mir das gelingt, glaube ich, kann ich die anderen auch mitnehmen.
EILDIENST: Heißt das, Sie legen Ihr CDU-Parteibuch für die Dauer Ihrer Amtszeit in die Schublade?
Hagen Jobi: Jeder weiß natürlich wo ich politisch stehe. Als Chef einer großen Genehmigungsbehörde ergeben sich parteipolitisch automatisch weniger Aussagen.
EILDIENST: Vom Stadtrat zum stellvertretenden Bürgermeister, stellv. Landrat, dann Landtagsabgeordneter und jetzt Chef von rund 1000 Mitarbeitern. Haben Sie mit Ihrer jetzigen Aufgabe den Höhepunkt auf der Karriereleiter erreicht?
Hagen Jobi: Da bin ich fest von überzeugt. Landrat zu sein, ist für mich eine ganz stolze Sache. Als ich für das Amt kandidierte, gab es im Landtag einige Kollegen, die gesagt haben: ,Das ist viel Arbeit, überleg es Dir.’ Aber viele haben mich beneidet und es als tolle Chance bezeichnet. Den Höhepunkt habe ich jetzt garantiert erreicht. Ich freue mich auf das, was wir noch alles bewegen können. Wir haben nämlich noch viel vor.
Letzte Änderung: 14q. Juli 2008






























