Prof. Dr. Klaus Peter Strohmeier, Dr. Jorg Nürmberger, Rolf Schäfer, Patricia Scherdin und Landrat Hagen Jobi (v.l.) stellten den ersten Sozialstrukturatlas für den Oberbergischen Kreis vor. (Foto: OBK)
„Wir haben festgestellt, dass vor allem im Südkreis viele Kinder leben“, berichtete Strohmeier. Der Anteil der Kinder unter 18 Jahren an der Bevölkerung lag 2007 kreisweit bei 19,8 Prozent, landesweit waren es 18 Prozent. Insbesondere im Süden in den Kommunen Nümbrecht, Waldbröl, Morsbach und Reichshof lebten viele Kinder. In Radevormwald, Gummersbach, Engelskirchen und Wiehl waren vergleichsweise wenig Kinder und Jugendliche zu Hause.
Sehr unterschiedlich ist auch die Verteilung von Kindern, deren Eltern aus dem Ausland stammen, in den Kindertageseinrichtungen im Kreisgebiet. Während in Waldbröl mit 53,6 Prozent besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund in den Kindertageseinrichtungen betreut werden, sind es mit 17,5 Prozente in Lindlar oder 16 Prozent in Morbach deutlich weniger.
Strohmeiers Empfehlung: „Dort, wo viele Kinder leben, sind Investitionen in die Bildung besonders wichtig.“ Handlungsbedarf sieht der Wissenschaftler auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Kreisgebiet, da in Oberberg die Frauenerwerbsquote relativ hoch sei und der Kreis zur Familienzone zähle.
Rund ein dreiviertel Jahr hat das Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung Daten gesammelt und ausgewertet. Dabei haben sich die Wissenschaftler vor allem auf Daten und Indikatoren des „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung gestützt. „Wir haben bewusst kein Ranking erstellt“, sagte Professor Strohmeier. Die oberbergischen Kommunen können sich landesweit mit ähnlich strukturierten Städten und Gemeinden vergleichen. „Ziel ist es, interkommunale Lernprozesse anzustoßen“, so Strohmeier. „Wer hat ähnliche Probleme, und wie sind sie in anderen Kommunen angegangen worden?“
„Jetzt haben wir gesicherte Zahlen, die den politisch Handelnden helfen, im Jugend- und Sozialbereich die Weichen zu stellen“, sagte der Vorsitzende des Kreissozialausschusses Rolf Schäfer. Der Sozialstrukturatlas geht an alle Kreistagsmitglieder und Bürgermeister.
Der gesamte Bericht ist im Internet unter www.obk.de unter der Rubrik Aktuelles/Aktuelle Hinweise zu finden.