Klare Regeln und feste Abläufe in der Schule vermitteln Verlässlichkeit
Neben dem regelmäßigen Austausch mit Lehrkräften im Kreisgebiet und Einzelfallberatungen für Familien beim Schulpsychologischen Dienst, wird Carolin Stolz mindestens einmal pro Quartal interessierte Lehrkräfte im Oberbergischen mit einem Workshop zusammenbringen. Dort können sich die Pädagogen über ihre Unterrichtsmethoden und Angebote für Flüchtlingskinder austauschen und auch ihre Sorgen und Fragen einbringen.
"Bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung muss eine Reizüberflutung vermieden werden. Das ist nicht so einfach, denn für sie und ihre Familien ist alles neu hier - der Wohnort, die fremde Kultur und die Sprache. Wir raten daher, in der Schule klare Strukturen zu schaffen und wenige, doch wiederkehrende Angebote zur Integration zu machen. Mit klaren Regeln und festen Abläufen bietet Schule diesen Kindern und Jugendlichen eine Verlässlichkeit, die sie durch ihre Fluchterfahrung teilweise nicht mehr kennen."
Die oberbergischen Schulen integrieren die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen auf unterschiedliche Art und Weise. In den Grundschulen werden die Kinder in der Regel auf die einzelnen Klassen aufgeteilt. In den weiterführenden Schulen gibt es häufig sogenannte Seiteneinsteigerklassen, in denen Deutsch als Zweitsprache gelehrt wird.
In Fächern wie Sport, Kunst oder Musik werden alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet. Mit spielerischen Aktionen, die leicht verständlich sind, wird zudem der Teamgeist gefördert. "In der Grundschule lernen viele Kinder recht schnell im Kontakt mit anderen Kindern. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gerade die Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen gefordert Deutsch zu unterrichten. Viele Lehrkräfte im Oberbergischen haben damit wenig Erfahrung. Viele der neuen Schülerinnen und Schüler wollen schnell ganz viel lernen und sich integrieren. Das zumindest wird häufig aus den Schulen an mich herangetragen", sagt Carolin Stolz.
Der Schulpsychologische Dienst initiiert daher entsprechende Angebote für Schulen, wie zum Beispiel Fachvorträge, die für den Umgang mit Flüchtlingskindern sensibilisieren. Zusätzlich wird das Netzwerk der Lehrkräfte verstärkt.
Eltern von Flüchtlingskindern sollen stärker einbezogen werden
"Beim Thema Schule sollten Entscheidungen nicht einfach über die Eltern hinweg getroffen werden, etwa weil es Probleme mit der Verständigung gibt. Viele Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsfamilien übernehmen bereits viel Verantwortung, weil sie über Schule schneller integriert werden, als ihre Eltern und häufig als Übersetzer agieren. Das ist oft eine große Belastung und den Eltern wird damit Verantwortung entzogen. Sie können ihre Elternrolle als Verantwortliche, Vorbilder und Fürsorgende nicht mehr wahrnehmen", sagt Carolin Stolz.
Die Diplom-Psychologin sieht ihr wichtigstes Ziel darin, die Schulen im Oberbergischen zu erreichen und so auszuloten, welche Methoden und Angebote greifen, um Flüchtlingskinder - und ihre Familien - schnellstmöglich zu integrieren. "Schule bietet dabei große Chancen, wir müssen Sie bestmöglich nutzen!"